Kurz gesagt: Die Tee-Pflanze heißt botanisch Camellia sinensis und gehört zu den Kameliengewächsen. Es gibt zwei Varietäten: den kleinblättrigen China-Strauch und die großblättrige Assam-Pflanze. Ungeschnitten wird sie zum Baum von 10 bis 20 Metern. Im Teegarten hält man sie auf etwa einem Meter Höhe, damit sie ständig junge Triebe bildet.
Inhalt
- Wie heißt die Tee-Pflanze botanisch?
- Was unterscheidet China- und Assam-Tee?
- Ist der Teestrauch eigentlich ein Baum?
- Wo wächst die Teepflanze am besten?
- Wie blüht die Teepflanze?
- Wie alt wird eine Teepflanze?
- Häufige Fragen
Am 11. November 2024 haben Tobias und ich im Bio-Teegarten Tonganagaon in Assam jeder einen jungen Teestrauch gepflanzt. Ein kleiner Setzling, kaum höher als ein Weinglas. Wenn alles gut geht, wird er in drei bis vier Jahren zum ersten Mal gepflückt und danach über Jahrzehnte Tee liefern. Seitdem schaue ich die Tee-Pflanze mit anderen Augen an.
Denn so vertraut uns Tee in der Tasse ist, so wenig wissen viele über die Pflanze selbst. In Kundengesprächen merke ich das immer wieder. Hier findest du die wichtigsten Antworten.
Wie heißt die Tee-Pflanze botanisch?
Die Tee-Pflanze heißt Camellia sinensis. Sie gehört zur Familie der Teestrauchgewächse (Theaceae) und ist eng verwandt mit den Kamelien, die bei uns als Zierpflanzen im Garten stehen. Früher war auch der Name Camellia thea oder Thea sinensis üblich. Aus ihr entstehen alle echten Tees: schwarz, grün, weiß und Oolong.
Kräutertees wie Pfefferminze oder Kamille stammen dagegen von ganz anderen Pflanzen. Streng genommen sind sie keine Tees, sondern Aufgüsse. Die Camellia sinensis ist immergrün, ihre Blätter sind ledrig, glänzend und am Rand fein gesägt. Frisch gepflückt duften sie noch kaum nach Tee. Das typische Aroma entsteht erst in der Verarbeitung, die ich im Beitrag zur Tee-Herstellung Schritt für Schritt erkläre.

Was unterscheidet China- und Assam-Tee?
Es gibt zwei Hauptvarietäten. Camellia sinensis var. sinensis, der China-Strauch, hat kleine Blätter von vier bis sechs Zentimetern, verträgt Kälte und wächst in Höhenlagen wie Darjeeling. Camellia sinensis var. assamica, die Assam-Pflanze, hat Blätter bis über 15 Zentimeter, liebt feuchte Hitze und ergibt kräftigere Tees.
| Merkmal | var. sinensis (China-Strauch) | var. assamica (Assam-Pflanze) |
|---|---|---|
| Blattgröße | klein, etwa 4 bis 6 cm | groß, 10 bis über 15 cm |
| Wuchs ohne Schnitt | Strauch, wenige Meter | Baum, bis etwa 20 m |
| Klima | kühl, verträgt leichten Frost | tropisch, feucht und heiß |
| Anbau in Indien | Darjeeling, Sikkim, Kangra | Assam, Dooars, Südindien |
| Geschmack | fein, blumig, hell | kräftig, malzig, dunkel |
Die Assam-Pflanze wurde in den 1820er-Jahren im Nordosten Indiens entdeckt, wo sie wild im Dschungel wuchs. Heute stehen in vielen Gärten Kreuzungen beider Formen und sogenannte Klone, also Stecklinge von besonders guten Mutterpflanzen. Sie sind ertragreich, widerstandsfähig und bringen verlässliche Qualität. Welche Region welche Pflanze bevorzugt, beschreibe ich im Beitrag über die Teeanbaugebiete in Indien.
Ist der Teestrauch eigentlich ein Baum?
Von Natur aus ja. Ungeschnitten wächst die Assam-Pflanze zu einem Baum von bis zu 20 Metern, der China-Strauch bleibt kleiner. Im Teegarten schneiden die Gärtner die Pflanzen regelmäßig auf etwa einen Meter Höhe zurück. So entsteht eine flache, dichte Oberfläche, der sogenannte Pflücktisch, an dem die Pflückerinnen bequem ernten können.
Der Schnitt hat noch einen zweiten Zweck: Er regt die Pflanze an, immer wieder neue, zarte Triebe zu bilden. Genau diese zwei Blätter und die Knospe werden gepflückt. In der Saison wächst ein Trieb in sechs bis acht Tagen nach. Alle paar Jahre bekommt ein Strauch einen kräftigeren Rückschnitt, damit er vital bleibt.

Wo wächst die Teepflanze am besten?
Die Teepflanze braucht saure, gut durchlässige Böden mit einem pH-Wert von etwa 4,5 bis 5,5, viel Regen und hohe Luftfeuchtigkeit. Ideal sind 1.500 Millimeter Niederschlag und mehr pro Jahr, gleichmäßig verteilt. Staunässe verträgt sie nicht. Deshalb liegen viele Teegärten an Hängen, wo das Wasser gut abfließt.
Solche Bedingungen finden sich in tropischen und subtropischen Regionen. In Assam sorgt der Monsun für reichlich Wasser, in Darjeeling Nebel und kühle Nächte für langsames Wachstum. Schattenbäume zwischen den Reihen schützen vor zu starker Sonne und verbessern im Bio-Anbau den Boden. In Tonganagaon ist uns aufgefallen, wie lebendig der Boden unter diesen Bäumen ist.

Wie blüht die Teepflanze?
Die Teepflanze blüht im Herbst mit kleinen, weißen Blüten von zwei bis vier Zentimetern, die gelbe Staubblätter haben und zart duften. Daraus entwickeln sich runde Kapseln mit ölhaltigen Samen. Im Teegarten sieht man die Blüten selten, denn der ständige Schnitt hält die Pflanze im Wachstum statt in der Blüte.
Nur die Mutterpflanzen, aus denen Samen gewonnen werden, dürfen frei blühen. Heute ziehen die meisten Gärten ihre Jungpflanzen allerdings aus Stecklingen. So behalten sie die Eigenschaften einer bewährten Pflanze bei. Die Setzlinge wachsen etwa ein Jahr in der Baumschule heran, bevor sie in den Garten umziehen.
Wie alt wird eine Teepflanze?
Eine Teepflanze kann gut über 100 Jahre alt werden. Im Teegarten liefert sie meist 50 Jahre und länger zuverlässig Ertrag. Die erste Ernte ist nach etwa drei bis vier Jahren möglich, den vollen Ertrag erreicht sie mit fünf bis sieben Jahren. In Darjeeling stehen noch Sträucher aus dem 19. Jahrhundert.
Für einen Teegarten ist jede Neupflanzung deshalb eine Entscheidung für Jahrzehnte. Das hat mich beim Pflanzen in Tonganagaon am meisten beeindruckt: Man setzt einen Strauch für die nächste Generation. Die ältesten Sträucher haben tiefe Wurzeln und kommen mit Trockenheit besser zurecht, geben aber weniger Blätter. Irgendwann werden sie deshalb Stück für Stück durch junge Pflanzen ersetzt.
Fazit: Eine Pflanze, unendlich viele Tees
Von der Camellia sinensis stammen alle echten Tees. Ob ein Tee kräftig oder zart schmeckt, hängt zuerst von der Varietät und vom Standort ab, danach von Pflückung und Verarbeitung. Wer das weiß, versteht, warum ein Bio Assam aus der großblättrigen Assam-Pflanze so malzig schmeckt und ein Darjeeling aus dem China-Strauch so fein und blumig.
Wie Anbau, Ernte und Verarbeitung ineinandergreifen, zeige ich dir im Überblick Bio Tee aus Indien.
Marta Charemska | Mitgründerin & Tee-Expertin von teealternative.de
Marta Charemska führt teealternative.de gemeinsam mit Tobias Sedlmeier und reist regelmäßig in die Teegärten Indiens, um Anbau und Ernte vor Ort zu begleiten. Im Bio-Teegarten Tonganagaon in Assam hat sie 2024 selbst einen Teestrauch gepflanzt. Mehr über ihre Arbeit erfährst du auf der Seite Über uns.
Kann man eine Teepflanze in Deutschland anbauen?
Als Kübelpflanze ja. Der China-Strauch verträgt leichten Frost, braucht aber saure Erde, viel Feuchtigkeit und einen hellen Platz ohne pralle Mittagssonne. Für eine nennenswerte Ernte reicht das allerdings kaum.
Sind Kamelie und Teepflanze dasselbe?
Sie gehören zur selben Gattung Camellia, sind aber verschiedene Arten. Die Zierkamelie im Garten ist Camellia japonica. Tee liefert nur Camellia sinensis mit ihren beiden Varietäten sinensis und assamica.
Wie oft wird eine Teepflanze gepflückt?
In der Saison von März bis November wird jeder Strauch etwa alle sechs bis acht Tage gepflückt. Geerntet werden jeweils nur die zwei jüngsten Blätter und die Knospe, die inzwischen nachgewachsen sind.
Quellen: Tea Board of India (Anbau und Pflanzenmaterial), Deutscher Tee & Kräutertee Verband (Warenkunde Teepflanze), eigener Besuch im Bio-Teegarten Tonganagaon, November 2024.