Pyramidenbeutel aus Kunststoff, Papierteebeutel und loser Tee im Vergleich

Teebeutel und Mikroplastik: Was die Studien wirklich zeigen

17. Oktober 2026

Kurz gesagt: Teebeutel aus Kunststoff, vor allem glänzende Pyramidenbeutel aus Nylon, PET oder PLA, können beim Aufgießen Mikroplastik an den Tee abgeben. Wie viel, ist umstritten: Die Messungen reichen von einigen Tausend bis zu Milliarden Partikeln pro Beutel. Das Bundesinstitut für Risikobewertung erwartet nach heutigem Wissen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen, sieht aber Forschungslücken. Wer ganz sicher gehen möchte, trinkt losen Tee aus einem Sieb aus Edelstahl.

Marta Charemska und Tobias Sedlmeier bei der Teeverkostung mit losem Blatt im Teegarten Nagri Farm, Darjeeling
Verkostung in Nagri Farm, November 2024: neben jeder Tasse liegt das trockene Blatt

Inhalt

Im Verkostungsraum von Nagri Farm standen die Tassen in einer langen Reihe, neben jeder lag ein kleines Häufchen trockener Blätter. Einen Teebeutel brauchte dort niemand. Wer Tee beurteilen will, möchte das Blatt sehen, riechen und im Wasser aufgehen lassen.

Seit dieser Reise im November 2024 lese ich immer wieder Schlagzeilen über Milliarden Plastikteilchen aus dem Teebeutel. Manche klingen nach Alarm, andere winken ab. Ich habe mir die Studien zu Teebeuteln und Mikroplastik und die Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung genau angesehen. Hier steht, was gemessen wurde, was davon belastbar ist und wie du Kunststoff ganz einfach aus deiner Tasse heraushältst.

Geben Teebeutel Mikroplastik an den Tee ab?

Ja, Teebeutel aus Kunststoff können beim Aufgießen Mikroplastik abgeben. Betroffen sind vor allem seidig glänzende Pyramidenbeutel aus Nylon, PET oder dem Bio-Kunststoff PLA. Auch manche Papierbeutel enthalten Kunststofffasern, damit sie sich verschweißen lassen. Wie viele Partikel tatsächlich in der Tasse landen, hängt stark vom Material und von der Messmethode ab.

Als Mikroplastik gelten Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Noch kleinere Teilchen unter einem Mikrometer heißen Nanoplastik, sie sind mit bloßem Auge nicht zu sehen. Beim Teebeutel kommt eine ungünstige Kombination zusammen: dünnes Material, viel Oberfläche und Wasser, das gerade gekocht hat. Die meisten Messungen wurden deshalb mit 95 °C gemacht, also so, wie man einen Schwarztee aufgießt.

Das Verbrauchermagazin Markt der ARD hat im Herbst 2025 Bio-Tees in Pyramidenbeuteln im Labor untersuchen lassen. Auch dort gaben die Beutel Partikel an den Tee ab. Bio bezieht sich eben auf den Anbau des Tees, nicht auf das Material, in das er verpackt ist.

Das heißt nicht, dass jeder Teebeutel Plastik enthält. Klassische Papierbeutel aus Zellulose und Manilahanf kommen oft ganz ohne aus. Von außen sieht man das aber nicht immer, und genau da beginnt die Unsicherheit.

Welche Teebeutel enthalten Plastik?

Kunststoff steckt vor allem in Pyramidenbeuteln aus Nylon, PET oder PLA und in verschweißten Einkammerbeuteln, deren Papier Fasern aus Polypropylen enthält. Doppelkammerbeutel, die nur gefaltet und mit einer Klammer verschlossen werden, kommen häufig ohne Kunststoff aus. Bei losem Tee stellt sich die Frage gar nicht, weil kein Beutel im Spiel ist.

Beutelart Material Kunststoff? Entsorgung
Pyramidenbeutel, glänzend Nylon oder PET ja Restmüll
Pyramidenbeutel „aus Maisstärke“ PLA (Polylactid) ja, Bio-Kunststoff Restmüll
Einkammerbeutel, verschweißt Papier mit Polypropylen-Fasern teilweise besser Restmüll
Doppelkammerbeutel, gefaltet Zellulose, Manilahanf meist nein Biomüll erlaubt
Loser Tee im Edelstahlsieb kein Beutel nein Blätter in den Biomüll

Am meisten Verwirrung stiftet PLA. „Aus Maisstärke“ klingt nach Natur, gemeint ist aber ein Kunststoff, der aus Pflanzenzucker hergestellt wird. In heißem Wasser wird er weich, und er verhält sich im Boden ganz anders als Papier. Für die Frage nach Partikeln im Tee zählt, dass es ein Kunststoff ist, nicht, ob er aus Erdöl oder aus Mais stammt. Was das für den Biomüll bedeutet, erkläre ich weiter unten.

Bei Papierbeuteln kommt es auf die Herstellung an. Damit ein Einkammerbeutel an den Rändern mit Hitze verschlossen werden kann, mischen manche Hersteller dem Papier Polypropylen-Fasern bei. Doppelkammerbeutel werden dagegen mechanisch gefaltet und mit einer Metallklammer oder einem Knoten verschlossen. Dafür braucht es keinen Kunststoff.

Ich nenne hier bewusst keine Marken. Rezepturen ändern sich, und was vor zwei Jahren galt, muss heute nicht mehr stimmen. Wenn du es für deinen Lieblingstee genau wissen willst, frag beim Hersteller nach. Die meisten antworten auf solche Anfragen inzwischen ausführlich.

Was haben die Studien genau gemessen?

Die bekannteste Studie stammt von der McGill University in Montreal aus dem Jahr 2019. Danach soll ein Kunststoffbeutel bei 95 °C rund 11,6 Milliarden Mikro- und 3,1 Milliarden Nanoplastikpartikel abgeben. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält diese Zahlen für stark überschätzt. Eine Messung mit Beteiligung des BfR fand 5.800 bis 20.400 Partikel pro Beutel.

Studie Untersucht Ergebnis
McGill University, Montreal (2019) Kunststoffbeutel aus Nylon und PET, 95 °C rund 11,6 Mrd. Mikro- und 3,1 Mrd. Nanoplastikpartikel pro Tasse
Busse et al. (2020), mit dem BfR Kunststoffbeutel, heißes Wasser, jedes Partikel einzeln bestimmt 5.800 bis 20.400 Mikroplastikpartikel größer als 1 µm pro Beutel
Universitat Autònoma de Barcelona (2024) Beutel aus Polypropylen, Nylon und Zellulose Polypropylen ca. 1,2 Mrd., Zellulose ca. 135 Mio., Nylon ca. 8,2 Mio. Partikel pro Milliliter

Zwischen den Zahlen liegen mehrere Größenordnungen. Das BfR erklärt den Unterschied so: Bei der Studie aus Montreal wurden die Proben vor der Messung eingetrocknet. Dabei fielen gelöste Bestandteile des Kunststoffs als feste Teilchen aus und wurden als Partikel mitgezählt. Die Partikel, die das BfR tatsächlich fand, saßen zum großen Teil schon vorher auf der Oberfläche des Beutels und wurden vom heißen Wasser abgespült.

Die Forschenden aus Barcelona sind einen Schritt weitergegangen. Sie haben die Partikel aus den Beuteln im Labor auf menschliche Darmzellen gegeben. Am meisten nahmen die Zellen auf, die Schleim bilden. Das ist ein Versuch an Zellkulturen, nicht am Menschen, und die Forschenden fordern selbst weitere Untersuchungen.

Für mich bleibt nach dem Lesen vor allem eines hängen: Dass Kunststoffbeutel Partikel abgeben, ist gut belegt. Wie viele, weiß im Moment niemand genau.

Ist Mikroplastik aus Teebeuteln gesundheitsschädlich?

Nach heutigem Wissensstand erwartet das Bundesinstitut für Risikobewertung keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Mikroplastik aus Teebeuteln. Gleichzeitig sagt das BfR offen, dass die Datenlage für eine abschließende Bewertung nicht ausreicht. Belege für Schäden beim Menschen gibt es bisher nicht. Eine Entwarnung im Sinne von „gründlich erforscht und harmlos“ gibt es aber auch nicht.

In seiner Mitteilung vom August 2025 verweist das BfR auf eigene Versuche mit Mäusen und Zellkulturen. Hinweise auf Schäden am Darmgewebe fanden sich dabei nicht. Nach Einschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit können nur Partikel unter 150 Mikrometern die Darmwand überhaupt passieren, und nur ein sehr kleiner Teil davon gelangt weiter. Was das über viele Jahre täglichen Teetrinkens bedeutet, ist schlicht noch nicht untersucht.

Ich halte nichts von Panikmache. Mikroplastik findet sich heute in vielen Lebensmitteln, und ein einzelner Teebeutel ist kein Grund zur Sorge. Ich halte aber auch nichts davon, Kunststoff mit fast kochendem Wasser zu übergießen, wenn es eine einfache Alternative gibt. Das ist für mich keine Frage der Angst, sondern eine der Gewohnheit. Und Gewohnheiten lassen sich leicht ändern, wenn das Neue genauso bequem ist.

Wie erkenne ich plastikfreie Teebeutel?

Am sichersten an der Angabe des Herstellers. Steht dort „Filterpapier aus Zellulose“ oder „Manilahanf“ ohne weiteren Zusatz, ist der Beutel meist kunststofffrei. Glänzende, durchsichtige oder seidig wirkende Beutel bestehen fast immer aus Kunststoff. Verschweißte Ränder deuten auf Heißsiegelfasern hin, gefaltete Doppelkammerbeutel mit Klammer kommen oft ohne aus.

  • Aussehen: Wirkt der Beutel wie feines Netz oder Stoff und kannst du die Blätter klar hindurchsehen, ist es sehr wahrscheinlich Nylon, PET oder PLA.
  • Begriffe auf der Packung: „aus Maisstärke“, „PLA“ oder „biologisch abbaubar“ stehen fast immer für Bio-Kunststoff.
  • Ränder: Sind sie platt verschweißt, wurde der Beutel meist mit Hitze verschlossen. Dafür braucht das Papier Kunststofffasern.
  • Verschluss: Gefaltet, mit Metallklammer oder Knoten, ist ein gutes Zeichen.
  • Bio-Siegel: Es sagt etwas über den Anbau des Tees, nichts über den Beutel.
Verschweißter Teebeutel mit gepressten Rändern neben einem gefalteten Teebeutel mit Metallklammer
Links verschweißte Ränder, rechts gefaltet und mit Klammer verschlossen

Ganz sicher bist du mit diesen Anzeichen nicht. Hersteller ändern ihre Beutel, und manche Papiersorten sehen mit und ohne Polypropylen gleich aus. Wer sich darauf nicht verlassen möchte, lässt den Beutel einfach weg.

Warum gehören Pyramidenbeutel nicht in den Biomüll?

Weil PLA in Boden und Biotonne kaum zerfällt. Forschende der University of Plymouth haben reine PLA-Teebeutel sieben Monate lang in Ackerboden vergraben. Danach hatten die Beutel kein messbares Gewicht verloren. Pyramidenbeutel aus PLA, Nylon oder PET gehören deshalb in den Restmüll, auch wenn auf der Packung „kompostierbar“ steht.

Spannend fand ich an der Studie aus Plymouth den Vergleich. Beutel aus einer Mischung von Zellulose und PLA verloren im selben Zeitraum zwei Drittel bis drei Viertel ihres Gewichts. Abgebaut hatte sich aber fast nur der Zellulose-Anteil. Dazu kommt ein zweiter Befund: In höheren Konzentrationen bekamen Regenwürmer in Bodenproben mit PLA-Teebeuteln weniger Nachwuchs. Die Forschenden schreiben, dass PLA keine umweltfreundlichere Alternative zu herkömmlichem Kunststoff sei.

Bei klassischen Doppelkammerbeuteln aus Papier ist die Lage entspannter. Laut Bundesumweltministerium dürfen sie in den Biomüll, Klammer und Faden werden bei der Verarbeitung aussortiert. Öko-Test rät trotzdem, Teebeutel im Zweifel in den Restmüll zu geben, weil man ihnen ihre Zusammensetzung nicht ansieht. Bei losem Tee ist es einfacher: Die ausgezogenen Blätter kommen direkt in den Biomüll.

Wie trinke ich Tee ganz ohne Beutel?

Mit losem Tee und einem Sieb aus Edelstahl. Du gibst etwa 4 g Blätter, also einen gehäuften Teelöffel, in das Sieb, hängst es in die Tasse und gießt auf. Nach der Ziehzeit nimmst du das Sieb heraus und stellst es ab. Das dauert kaum länger als mit einem Beutel, und Beutelmaterial ist gar nicht erst im Spiel.

Loser Bio-Schwarztee im Teesieb aus Edelstahl in einer Tasse
Loser Tee im Edelstahlsieb, ganz ohne Beutel

Mein Assam bekommt sprudelnd kochendes Wasser und drei Minuten Zeit, dann hebe ich das Sieb heraus. Ein Darjeeling First Flush mag es sanfter, mit 85 bis 90 °C. Warum das so ist, erkläre ich ausführlich in meinem Ratgeber zur Darjeeling First Flush Zubereitung. Wichtig ist, dass das Sieb groß genug ist, damit die Blätter sich öffnen können. Ganze Blätter brauchen Platz.

Wenn dir kräftiger Tee auf den Magen schlägt, nimm etwas weniger Blätter und gieß früher ab. Die Tasse wird dann milder, und du merkst schnell, welche Ziehzeit dir guttut. Mit losem Tee kannst du das viel genauer einstellen als mit einem fertig portionierten Beutel.

Wir verkaufen unsere Tees aus Darjeeling und Assam ausschließlich lose. Für die Tasse nutzen wir ein Teesieb aus Edelstahl mit Abtropfschale, es lässt sich nach dem Aufgießen einfach ausklopfen und abspülen. Was sich beim Geschmack zwischen Beutel und losem Blatt ändert, habe ich in meinem Vergleich Beuteltee vs. loser Tee beschrieben.

Mein Fazit

Teebeutel aus Kunststoff geben Partikel an den Tee ab, das ist belegt. Wie viele, ist umstritten, und gesundheitliche Folgen erwartet das BfR nach heutigem Wissen nicht. Für deinen Alltag heißt das: Glänzende Pyramidenbeutel kannst du getrost meiden und gehören in den Restmüll. Klassische Papierbeutel sind die bessere Wahl. Am einfachsten ist es ganz ohne Beutel.

Wenn du losen Tee ausprobieren möchtest, fang mit einer Sorte an, die du ohnehin magst. Unsere Bio-Schwarztees aus Assam und Darjeeling gibt es in 250 g und 500 g. Und wenn du unsicher bist, welcher zu dir passt, schreib mir. Ich helfe dir gern.

Marta Charemska | Mitinhaberin & Tee-Expertin von teealternative.de

Marta Charemska führt teealternative.de gemeinsam mit Tobias Sedlmeier und bezieht die Tees direkt aus bio-zertifizierten Gärten in Darjeeling und Assam. Im November 2024 war sie selbst in Nagri Farm und Tonganagaon, auf den Feldern, in den Fabriken und bei der Verkostung. Ihr ist wichtig, dass im Tee nichts steckt, was dort nicht hingehört. Mehr über uns erfährst du unter teealternative.de/pages/uber-uns.

Enthalten wirklich alle Teebeutel Mikroplastik oder Kunststoff?

Nein. Klassische Doppelkammerbeutel aus Zellulose und Manilahanf kommen oft ohne Kunststoff aus. Kunststoff steckt vor allem in glänzenden Pyramidenbeuteln aus Nylon, PET oder PLA und in verschweißten Papierbeuteln mit Polypropylen-Fasern.

Sind Bio-Tees im Pyramidenbeutel frei von Mikroplastik?

Nicht unbedingt. Das Bio-Siegel bezieht sich auf den Anbau des Tees, nicht auf das Material des Beutels. Auch Bio-Tees werden in Pyramidenbeuteln aus PLA oder Nylon verkauft, die Partikel abgeben können.

Sollte man den Teebeutel nach dem Ziehen ausdrücken?

Besser nicht. Beim Ausdrücken gelangen vor allem Gerbstoffe aus den feinen Teeblättern in die Tasse, und der Tee schmeckt herber. Nimm den Beutel nach der Ziehzeit heraus und lass ihn kurz abtropfen.

Ist loser Tee gesünder als Tee im Beutel?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Loser Tee besteht meist aus größeren Blättern und kommt ohne Beutelmaterial aus. Was in deiner Tasse landet, hängt aber vor allem von Teemenge, Wassertemperatur und Ziehzeit ab.

In welchen Müll gehören benutzte Teebeutel eigentlich?

Pyramidenbeutel aus Kunststoff oder PLA gehören in den Restmüll. Klassische Papierbeutel dürfen laut Bundesumweltministerium in den Biomüll, Öko-Test rät im Zweifel trotzdem zur Restmülltonne. Lose Teeblätter kommen einfach in den Biomüll.

Quellen

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