Bio-Teegarten Tonganagaon in Assam
Tonganagaon ist ein Bio-Teegarten in Assam im Nordosten Indiens. Die Plantage besteht seit 1927 und ist seit 2008 biologisch zertifiziert. Damit zählt sie zu nur sechs Bio-Gärten unter rund 600 Teegärten in Assam. Seit 2014 beziehen wir unseren Bio Assam Tee von hier, im November 2024 haben wir den Garten selbst besucht.
Tonganagaon auf einen Blick
| Lage | Distrikt Tinsukia, Assam, Nordostindien, am Rand des Waldschutzgebiets Doomdooma |
|---|---|
| Teeplantage seit | 1927 |
| Bio-zertifiziert seit | 2008, einer von 6 Bio-Gärten unter rund 600 in Assam |
| Gesamtfläche | rund 1.240 Hektar |
| Mit Tee bepflanzt | 538 Hektar |
| Bewohner | ca. 6.000 Menschen |
| Beschäftigte | ca. 1.400 |
| Inhaber | Chamong Tee Exports Pvt. Ltd. |
| Partner von teealternative | seit 2014 |
| Unser Tee von hier | Bio Assam Second Flush Tonganagaon, SFTGFOP1 |
Wie ist der Teegarten Tonganagaon aufgebaut?
Tonganagaon ist mehr als eine Teeplantage, es ist ein kleines Dorf mit eigener Infrastruktur. Von den rund 1.240 Hektar sind 538 Hektar mit Teebüschen bepflanzt, also weniger als die Hälfte. Ein großer Teil der übrigen Fläche sind Reisfelder und Wohnsiedlungen der Familien, dazu kommen Schulen, ein Krankenhaus, ein Tempel, eine Kirche und die Teefabrik.
Das zeigt ein alter Lageplan, den wir vor Ort fotografiert haben. Man erkennt die nummerierten Teefelder, die Siedlungen entlang der Wege und im Südwesten das angrenzende Waldschutzgebiet Doomdooma. Allein für Reisfelder weist der Plan 250 Hektar aus, für Wohnflächen knapp 200 Hektar.
Warum ist Tonganagaon einer der wenigen Bio-Teegärten in Assam?
In Tonganagaon werden seit 2008 keine chemisch-synthetischen Dünger, Herbizide oder Pestizide mehr eingesetzt. Der Boden wird mit Kompost aus Kuhmist und Pflanzenresten versorgt, Beikraut wird von Hand und mit Freischneidern kurz gehalten. Diesen Aufwand betreiben in Assam nur wenige Gärten: Von rund 600 sind sechs bio-zertifiziert.
Was das bedeutet, sieht man, sobald man zwischen den Teebüschen steht. Über den Reihen stehen hohe Schattenbäume mit weiß gestrichenen Stämmen. Sie schützen die Büsche vor der Mittagssonne und geben Vögeln und Insekten einen Lebensraum, die wiederum Schädlinge in Grenzen halten. Zwischen den Feldern wachsen Bananenstauden und Bambus. Uns ist aufgefallen, wie viele Tiere wir unterwegs gesehen und gehört haben.
Wie entsteht der Tee in Tonganagaon?
Der gesamte Weg vom Setzling bis zur fertigen Packung liegt in Tonganagaon in einer Hand. Junge Teepflanzen werden in einer eigenen Aufzuchtstation gezogen, gepflückt wird von Hand nach der Regel „zwei Blätter und eine Knospe“. In der Fabrik auf dem Gelände wird der Tee gewelkt, gerollt, oxidiert, getrocknet und sortiert.
Die Aufzuchtstation
Die Aufzuchtstation, im Garten „Tea Nursery“ genannt, wurde 2022 neu eröffnet. Hier wachsen Stecklinge von ausgewählten Mutterpflanzen in kleinen Erdbeuteln heran, geschützt von Schattennetzen. Sind die Jungpflanzen kräftig genug, kommen sie auf neu angelegte Felder. Dort stehen sie zunächst in lockeren Reihen, bis sie nach einigen Jahren zu dichten Teebüschen zusammengewachsen sind und zum ersten Mal gepflückt werden.
Die Pflückung
Gepflückt werden nur die zartesten Triebe: zwei junge Blätter und die noch geschlossene Knospe. Die Pflückerinnen arbeiten mit beiden Händen, schnell und erstaunlich präzise. Die Blätter landen im Bambuskorb auf dem Rücken, der an einem Band über der Stirn getragen wird. Am Nachmittag geht es mit den vollen Körben zur Waage.
Die Fabrik
In der Fabrik gelten strenge Hygieneregeln. Auch wir als Besucher haben Schürze, Haube, Mundschutz und Überschuhe getragen. Die frischen Blätter liegen zuerst zum Welken aus und verlieren dabei einen Teil ihres Wassers. In der Halle riecht es schwer und fast fruchtig.
Danach werden die Blätter gerollt. Dabei brechen die Zellwände auf, und die Oxidation beginnt: Das Blatt färbt sich von Grün zu Kupferrot. Wann dieser Moment erreicht ist, entscheiden die Teemeister mit Nase und Händen. Anschließend wird der Tee getrocknet und nach Blattgrößen sortiert. Aus der Sommerernte entsteht so unser Bio Assam Second Flush Tonganagaon im Blattgrad SFTGFOP1, mit vielen goldenen Blattspitzen.
Wie leben und arbeiten die Menschen in Tonganagaon?
Rund 6.000 Menschen leben im Teegarten, etwa 1.400 von ihnen arbeiten dort. Die Familien wohnen auf dem Gelände und haben Zugang zu sauberem Wasser, zu einem eigenen kleinen Krankenhaus, in das regelmäßig ein Arzt kommt, und zu Schulen für die Kinder. Für die Kleinsten gibt es eine Kinderkrippe direkt neben den Feldern.
Diese Krippe hat uns besonders berührt. Die Mütter bringen ihre Kinder morgens dorthin und kommen in den Pausen herüber, um sie zu füttern oder in den Arm zu nehmen. Auf dem Foto stehen wir mit den Frauen und ihren Kindern vor genau diesem Gebäude.
Auch sonst wird im Alltag mitgedacht. Weil die Wege zwischen Siedlung, Fabrik und Feldern weit sind, stellt der Garten den Beschäftigten Fahrräder zur Verfügung. Auf den Fabrikdächern liefern Solaranlagen einen Teil des Stroms für die Verarbeitung, und in den Wohnbereichen leuchten abends Solarlampen.
Was haben wir bei unserem Besuch im November 2024 erlebt?
Wir waren im November 2024 in Tonganagaon und durften den Garten von der Aufzuchtstation bis zur Verpackung kennenlernen. Wir haben selbst gepflückt, mit Korb und Stirnband wie die Pflückerinnen, und zur Erinnerung zwei junge Bäume im Garten gepflanzt.
Das Pflücken sieht bei den Frauen mühelos aus. Bei uns war es das nicht. Man muss den Trieb an genau der richtigen Stelle abknicken, ohne den Busch zu verletzen, und der Korb zieht am Stirnband. Wir haben schnell gemerkt, wie viel Übung dahintersteckt, und seitdem großen Respekt vor dieser Arbeit.
Am 11. November 2024 haben wir dann jeweils einen Setzling eingepflanzt, beschildert mit unseren Namen und „teealternative, Berlin“. Wenn wir heute eine Tasse Tonganagaon aufgießen, denken wir an diesen Vormittag, an die Menschen, die dabeistanden, und an die beiden kleinen Bäume, die dort hoffentlich gut angewachsen sind.
Die ganze Geschichte unserer Reise, mit vielen weiteren Beobachtungen, erzählen wir im Beitrag Bio-Teegarten in Assam: Was wir vor Ort erlebt haben.
Welchen Tee beziehen wir aus Tonganagaon?
Seit 2014 kaufen wir Bio Assam Tee direkt in Tonganagaon ein, ohne Zwischenhändler. Aktuell ist es der Bio Assam Second Flush Tonganagaon 2025 im Blattgrad SFTGFOP1, dem höchsten für ganze Assam-Blätter.
Er ist mein Tee für das erste Kännchen am Morgen: vollmundig und malzig, kräftig genug, um wach zu werden, aber weich und ohne Bitterkeit, wenn man ihn nicht länger als drei bis vier Minuten ziehen lässt. Mit einem Schuss Milch wird er noch runder. Alle unsere Assam-Tees und Tipps zur Zubereitung finden Sie in der Kollektion Bio Assam Tee aus Indien. Wie wir mit unseren Teegärten zusammenarbeiten, lesen Sie auf unserer Seite Über uns.
Häufige Fragen zum Teegarten Tonganagaon
Wo liegt der Teegarten Tonganagaon?
Tonganagaon liegt im Distrikt Tinsukia im Osten von Assam, im Nordosten Indiens. Der Garten grenzt an das Waldschutzgebiet Doomdooma und umfasst rund 1.240 Hektar, davon 538 Hektar Teefläche.
Ist Tonganagaon wirklich ein Bio-Teegarten?
Ja. Tonganagaon wird seit 2008 biologisch bewirtschaftet und ist einer von nur sechs bio-zertifizierten Teegärten unter rund 600 in Assam. Unsere Tees sind nach EU-Öko-Verordnung zertifiziert, Kontrollstelle DE-ÖKO-037.
Wem gehört der Teegarten Tonganagaon?
Tonganagaon gehört zur Chamong Tee Exports Pvt. Ltd., einem indischen Teeunternehmen. Die Plantage besteht seit 1927, heute leben rund 6.000 Menschen im Garten und etwa 1.400 arbeiten dort.
Was bedeutet SFTGFOP1 bei Assam Tee?
SFTGFOP1 steht für „Special Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe“. Es ist der höchste Blattgrad für ganze Blätter und zeigt einen hohen Anteil goldener Blattspitzen, die dem Tee Weichheit und eine feine Süße geben.
Marta Charemska, Mitinhaberin von teealternative.de, nach unserem Besuch in Tonganagaon im November 2024